Staude; was ist das?

Für alle diejenigen, die sich noch nie mit einem Garten beschäftigt haben, oder noch nie selber einen besessen haben ist dieser Begriff sicher erklärungsbedürftig.

In der gewöhnlichen Umgangssprache wird Staude für Gewächse mit den verschiedensten Wuchscharaktern gebraucht. Z.B. für: Haselstaude, Kartoffelstaude, Brombeerstaude etc. Mit der Benennung Staude wird da vor allem alles was wucherisch in die Breite und Höhe schiesst gemeint.

Im gärtnerischen Sinn bezeichnet jedoch der Begriff "Staude" eine relativ genau umschriebene Pflanzengruppe, wie dies im Vergleich beim Begriff Baum oder Strauch auch der Fall ist.

Möglichst kurz und verständlich ausgedrückt bezeichnet man damit all jene Pflanzenarten, ganz gleich woher sie kommen, die:  Ausschliesslich krautige Teile (Stängel und Blätter) haben, die also keine holzigen Teile besitzen und dennoch über mehrere Jahre ausdauern. Die meisten davon überdauern den Winter, oder seltener auch den Sommer, im- oder knapp über dem Boden und beginnen, meist im Frühling, bei genügender Wärme und Feuchtigkeit wieder zu wachsen.

Was für Pflanzen sind das nun, die einem solchen Zyklus unterliegen? Hier ein paar, der bei uns bekanntesten Vertretern davon: Margeriten, Lupinen, Rittersporn, Astern, Primeln, Nelken etc..Alle diese beginnen alljährlich wieder neu aus dem Boden hervor zu wachsen, bei den beiden letzten bleibt das Laub mehr oder weniger auch über den Winter erhalten und beginnt sich im Frühling zu erneuern.

Die Pflanzengruppe der Stauden umfasst eine enorme Anzahl (mehrere Tausend) verschiedenster Pflanzenarten, verteilt über alle Kontinente und Klimazonen in den verschiedensten Biotopen.

Stauden gibt es im Wald, auf Wiesen und Feldern, am Ufer der Gewässer, wie auch im Wasser; in Wüsten und Steppen, auf Felsen und auf Bäumen (Epiphyten in den Tropen). Kurz gesagt, es gibt keine Vegetationsgebiete, darinnen Stauden nicht vorkommen würden.

Obwohl zuvor der Begriff Staude kurz erklärt und definiert wurde, ist es uns nicht möglich eine genaue Grenze zu bestimmen, wo die Staude beginnt und wo sie aufhört Staude zu sein. Am Anfang und am Ende des Begriffs Staude, findet ein fliessender Übergang in die nächste Pflanzengruppe statt. Das heisst vor den Stauden stehen die ein- und zweijährigen Pflanzen und nach den Stauden beginnen die Gehölze. Als Beispiel für den Übergang von den Zweijährigen zu den Stauden kann der bekannte Fingerhut dienen. Dieser lebt von Natur aus als zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet er eine recht grosse Blattrosette aus und im nächsten Jahr bildet er einen fast mannshohen Blütenstängel mit vielen Blüten aus, und nach erfolgter Samenbildung stirbt die ganze Pflanze ab. Wächst nun dieser Fingerhut auf einem äusserst mageren Boden, kann es sein, dass er erst im dritten Jahr einen Blütenstängel treibt, ist er aber deswegen schon eine Staude, weil er drei Jahre ausdauerte? Trotz dieser Eigenschaft kann man ihn nicht wirklich zu den Stauden zählen. Es gibt aber noch einige andere Gewächse die, wie wir sagen: kurzlebig sind und deswegen nicht als Zweijährige, aber eben auch nicht als richtige Stauden angesehen werden können z.B. Gaillardia, Alcea, Verbascum und einige andere. Am Ende der Staudengruppe ist dann der Übergang zu den Gehölzen ebenso fliessend wie beim Beginn zu den Stauden. Ist z.B. der Küchenthymian mit seinen feinen, aber doch holzähnlichen Trieben ein Strauch oder eine Staude? Und wo muss man eine Euphorbia characias mit ihren halb fleischigen, halb holzigen Trieben einordnen? Wenn man die menschlichen Begriffe für die Bezeichnung natürlicher Erscheinungen genauer prüft, findet man eigentlich fast überall eine unklare Abgrenzung zu anderen Formen.Selbst bei einfachen und klar scheinenden Begriffen wie "Baum" ist eine Grenzziehung nicht so einfach wie man glaubt. Ein Baum besitzt doch einen Stamm und ist klar an seiner Grösse zu erkennen, möchte man meinen. Ja, wo beginnt dann die Höhe ab welcher ein Baum ein Baum ist: bei 10m oder erst bei 15m oder noch später? Ist ein fünfstämmiger Silberahorn mit 25m Höhe kein Baum, weil er viele Stämme hat? Oder ist ein 50-jähriger Tierlibaum (Cornus mas) mit einem Stamm von 30cm Ø kein Baum, weil er nur 7m Höhe aufweist? Man sieht an diesem Beispiel, dass diese Definitionsbegriffe meist nicht klar abgrenzbar sind, was aber unsere Freude an den vielfältigen Formen der Pflanzen in keiner Weise zu stören vermag.

Zum Schluss an dieser Stelle sind für den mit dem Begriff Stauden noch nicht so recht vertrauten ein paar Beispiele genannt, anhand derer man sehen kann, was alles darunter zu verstehen ist.

Der Feldthymian mit seinen nur wenigen Milimeter grossen Blättchen, zählt ebenso zu den Stauden, wie die bis zu ¼ Quadratmeter grossen Blätter der Rhabarberstaude. Die im Teich unterwasser wachsende Wasserpest, wie der im Wald zu findende Wurmfarn gehören ebenfalls dazu. Der nur kurz im Jahr zu sehende Gartenkrokus (den Rest des Jahres verharrt er ruhend in seiner Knolle unter dem Boden) gehört ebenfalls zu den Stauden, so wie auch das bis zu 3m hohe Chinaschilf. Dies sind also ein paar Stauden, die mehr die äusseren Grenzpunkte derselben zeigen, aber nicht unbedingt das was wir ihnen unter diesem Begriff auf unserer Homepage anbieten; nämlich Zierpflanzen,die mit ihren Blüten, Blättern, ihrem Wuchs und ihrer jahreszeitlich veränderten Erscheinungsformen ihren Garten bereichern und verschönern sollen, damit sie auch um ihr Haus herum ein Zuhause haben können.

 

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